Dr. C.F.S. Hahnemann Rose
Dr. C.F.S. Hahnemann Rose

Liebe vergeht nicht, sie ist das Lebenselixier der gesamten Schöpfung.

 

Dr. Mohinder Singh Jus

Fieber - Schutz nicht Schaden (aus Similia Nr. 90)

Ein Informationsartikel für Eltern von Anna Zenz, Dipl. Homöopathin hfnh, D-Marburg (Lahn)

Was ist Fieber?

Fieber ist ein natürlicher Mechanismus der sich seit millionen Jahren bei fast allen Säugetieren wiederfindet und bewährt hat. Es ist keine Krankheit, sondern ein Symptom und ein Zeichen, dass der betroffene Körper sich gegen etwas zur Wehr setzt. Fieber ist eine, vom Gehirn kontrollierte Erhöhung der Körpertemperatur. Unsere Normaltemperatur liegt bei 36-37,5 C°, von Fieber spricht man, wenn die Körpertemperatur über 38C° liegt. Eine echte Gefahr wird Fieber für den Körper erst, wenn eine Temperatur von deutlich über 41C° erreicht wird. Dann nehmen die körpereigenen Zellen schaden. Das kommt nur extrem selten vor, da der Körper über viele Kontrollmechanismen verfügt, um genau das zu verhindern. (5)

 

Der Nutzen von einer erhöhten Körpertemperatur im Krankheitsfall ist vielfältig. Zum einen vertragen viele Krankheitserreger und eventuell sogar Krebszellen die Hitze von Fieber nicht, sie sterben ab oder vermehren Das Thema Fieber ruft bei vielen Eltern Angst hervor, obwohl es meistens ein positives Zeichen einer starken Lebenskraft ist. Im folgenden Artikel soll diese Angst durch einfach dargestellte Fakten und Hilfestellungen gemildert werden. GRUNDLAGEN 36 37 GRUNDLAGEN sich deutlich langsamer. Zum anderen ist das menschliche Immunsystem bei einem gesunden Menschen nur zum Teil aktiv, sozusagen in Bereitschaft, und unter Fieber entfaltet es erst sein ganzes Potenzial. Dann bewegen sich alle Abwehrzellen und Antiköper schneller, werden deutlich rascher und in grösserer Zahl gebildet. Fieber ist wie ein Hochofen, es bringt das Abwehrsystem auf die beste Betriebstemperatur und macht es für alle unerwünschten Gäste ungemütlich. Zudem wird Fieber von vielen Symptomen begleitet, die unangenehm sind, aber deren Effekt sinnvoll ist. (5)

 

Es gibt verschiedene Formen und Verläufe von Fieber. Meist gilt, wenn das Kind friert, steigt die Temperatur und wenn es schwitzt, sinkt sie. Der klassische Verlauf kann in vier Phasen unterteilt werden: 

 

1. Temperaturanstieg mit Frösteln, bis hin zu Zittern

2. Fieberplateau, die Temperatur bleibt stabil hoch

3. Entfieberung mit Schwitzen und Hitzegefühl

4. Erholungsphase mit tiefem erholsamen Schlaf

 

Fieber kann mehrere Tage gleichbleibend anhalten oder stark schwanken. Bei manchen Kinderkrankheiten, wie z.B. Masern ist es auch normal, dass nach einigen Tagen das Fieber weg geht und kurz darauf nochmal stark ansteigt, ohne dass es als Rückfall zu werten ist. Es gibt für viele Erkrankungen einen typischen Fieberverlauf.

 

Besonderheiten bei Fieber

Schüttelfrost und Fieberkrämpfe sind eine oft erwähnte Sorge von Eltern wenn es um Fieber geht. Beides kommt sehr selten vor, aber wenn es vorkommt ist es ein sehr eindrückliches Geschehen. Von Schüttelfrost spricht man erst dann, wenn „das Bett richtig mitwackelt“. Echter Schüttelfrost kann ein Hinweis auf eine schwerwiegendere Erkrankung sein. Ein Fieberkrampf zeigt sich meist mit plötzlichem Bewusstseinsverlust und entweder Krämpfen/ Zuckungen oder einem ganz schlaffen Körper. Es kann auch zu einer Blaufärbung der Lippen und verminderter Atmung kommen, aber nur kurz. Der ganze Anfall, oft ein einmaliges Geschehen, dauert in der Regel wenige Sekunden bis zu ca. 5 Minuten. Danach ist der Patient meist sehr erschöpft und braucht Ruhe. Kommen Fieberkrämpfe in einer Familie gehäuft vor, sollte eine individuelle Beratung Notfallmassnahmen mit einbeziehen. Woher Fieberkrämpfe kommen, kann man bisher nicht genau erklären. Sie treten nur selten bei Kindern bis sechs Jahre auf und sind nicht mit Epilepsie zu verwechseln. Das Fieber zu senken hat nach medizinischen Erkenntnissen keinen Einfluss auf das Entstehen oder Vermeiden von Fieberkrämpfen.( 4)

 

Das richtige Fiebermessen

Fieber zu ermitteln ist bei Kindern oft nicht einfach, aber manchmal unumgänglich. Die sinnvollste Methode mit einem herkömmlichen Fieberthermometer ist im Po (rektal), notfalls auch im Mund unter der Zunge (sublingual). Achseln oder andere Körperstellen geben kein aussagekräftiges Ergebnis. Die neueren Thermometer für Ohr/ Stirn oder ohne Kontakt geben genaue Ergebnisse, wenn man sie richtig benutzt.

 

Richtiges Verhalten und Massnahmen bei Fieber

Jeder reagiert anders auf Fieber. Manche Kinder erscheinen noch erstaunlich munter trotz hohem Fieber, andere wiederum sind schon bei leichtem Fieber stark erschöpft. Allerdings gibt es einige Massnahmen, die eine Orientierungshilfe bieten. Meist leiden die Eltern mehr unter der Situation, als das Kind selber, dennoch sollte das Kind im Mittelpunkt aller Massnahmen stehen und die Eltern versuchen die Ruhe zu bewahren. Zunächst ist viel Trinken immer wichtig, gerade bei Fieber ist es unumgänglich. Am besten sind Wasser, Kräutertee mit Honig und verdünnte Säfte, bitte keine eiskalten Getränke. Häufiges anbieten und eine Auswahl an Getränken machen es leichter, genug zu trinken. Gemüse- oder Hühnerbrühe sind gut um Salze und Elektrolyte aufzufüllen, welche beim Schwitzen verloren gehen. Das Essen hingegen ist weniger wichtig, hier eignet sich Suppe, Brei, etwas Obst und, je nach Zustand, Dinge auf die der Patient Lust hat. Zu vermeiden sind fettige und schwerverdauliche Dinge. Es macht nichts, wenn ein Kind einige Tage nicht essen möchte. Ruhe ist ein weiterer Faktor zur schnellen Genesung. Es muss nicht tagelange Bettruhe sein, aber grössere Anstrengungen wie Kindergarten/ Schulbesuche, Sport oder ähnliches sind zu vermeiden. Ebenso ist reichliches TV schauen eine Anstrengung die oft unterschätzt wird. Etwas lesen, Hörbuch hören, malen oder mit Spielsachen in Ruhe spielen ist vollkommen in Ordnung, solange das Kind jederzeit pausieren und ausruhen kann.

Temperaturschwankungen sind für einen Körper mit Fieber ein enorme Anstrengung und können leicht zur Verlängerung oder Rückfällen der Erkrankung führen. Deswegen sollte sich ein fieberndes Kind möglichst in einer konstanten angenehm warmen Umgebung aufhalten. Das bedeutet konkret: Nur angezogen aufstehen, inklusive warm gehaltener Füsse. Das Zimmer dann lüften, wenn das Kind nicht im Raum ist, oder es sehr gut eingepacken, sonstigen Durchzug bitte vermeiden. Baden oder Duschen eine Weile ausfallen lassen, da es eine zusätzliche Anstrengung für den Kreislauf ist und Temperaturschwankung bedeutet. Nicht unnötig raus gehen, es sei denn es ist entsprechend schönes Wetter, dann aber auf eventuelle Sonneneinstrahlung achten. Bei anfänglichem Frösteln (Fieberanstieg) darf es auch eine Decke und Wärmflasche mehr sein. Unabhängig von der Höhe des Fiebers sind warme Füsse immer wichtig, selbst wenn eine Wärmflasche nötig ist.

 

Fieber senken, ja oder nein?

Wie und ob man Fieber senken soll ist wohl das brisanteste Thema wenn es um Fieber bei Kindern geht. Zunächst sollte klar sein, dass es nur wenige Gründe gibt bei denen eine Fiebersenkung sinnvoll ist, in der Regel nur in sehr schweren Fällen oder bei anderen Vorerkrankungen. Es ist mittlerweile erwiesen, dass bei den meisten Erkrankungen Fieber förderlich ist. Zum Beispiel gibt es meist keine Spätfolgen oder Komplikationen bei Kinderkrankheiten, wenn der Betroffene stark gefiebert hat(6). Auffällig ist jedoch die rapide ansteigende Anzahl von Problemen, wenn Fieber gesenkt oder unterbunden wird, nicht nur bei Kinderkrankheiten(7).

Falls es doch nötig werden sollte sind verschiedene Dinge zu beachten. Zunächst sind Medikamente zur Fiebersenkung immer unberechenbar und nicht einzuschätzen, wie stark sie Einfluss auf den Patienten und dessen Fieber nehmen. Zudem können Medikamente, wie z.B. Paracetamol Nebenwirkungen haben, und werden oft überdosiert. Deswegen sollten die ersten Massnahmen kühlende Wadenwickel oder Stirnlappen sein, kühle Getränke können auch hilfreich sein. Aber auch hier sind warme Füsse zu beachten, selbst wenn es bedeutet eine Wärmflasche an die Füsse zu legen und gleichzeitig kühle Wickel an zu legen. Fieber sollte nie schneller als 0,5C°/Stunde gesenkt werden, um den Körper nicht zu sehr zu belasten und das Immunsystem nicht „kalt zu stellen“. Also ist hier vermehrtes Fiebermessen sinnvoll. Zu bedenken ist, dass unter Fieber schon lauwarme Wickel und leicht kühle Getränke als eiskalt empfunden werden können. Deshalb sollten selbst kühlende Massnahmen nicht zu kalt sein, sondern so, dass es angenehm für den Patienten ist.

Die schlimmste Vorstellung für viele Eltern ist es, was sie tun sollen, wenn es tatsächlich zu einem Fieberkrampf kommen sollte. Hier heisst es vor allem Ruhe bewahren, auch wenn es schwer fällt. Am besten legt man das Kind sicher vor Verletzungen stabil auf die Seite, damit es sich nicht verschlucken kann, und bleibt bei ihm. Hört der Krampf wiedererwartend nicht nach spätestens 10-15 Minuten auf, sollte medizinische Hilfe geholt werden. Eine homöopathische Konstitutionsbehandlung ist ratsam, um die Anfälligkeit für Fieberkrämpfe zu tilgen. Alle Ratschläge sind immer individuell von Fall zu Fall zu bewerten, je nachdem wie es dem betroffenen Kind geht, sind die Massnahmen strenger oder etwas lockerer durchzuführen. Zusätzlich gibt es je nach Grund des Fiebers noch andere Massnahmen und Hausmittel die helfen können. Homöopathisches Mittel geben? In der klassischen Homöopathie werden keine einzelnen Symptome, wie z.B. Fieber behandelt. Es wird immer der ganze Patient mit allen akuten oder chronischen Beschwerden und individuellen Symptomen betrachtet. Hierzu gehört unteranderem der Grund einer Erkrankung und die Abwägung, ob überhaupt ein homöopathisches Mittel von Nöten ist. Fieber ist bei Kindern oft eine sogenannte psorische Erleichterung, Vergleichbar mit einer Reinigung, um das Gleichgewicht von Körper, Geist und Seele wieder herzustellen. So kann es dabei helfen, langfristig gesund zu bleiben. Kinder mit akuten Erkrankungen, die mit Fieber einhergehen, sollten nur bei ausgeprägter Störung des Allgemeinzustandes behandelt werden. Solange das Kind trinkt, spielt, isst und nicht auffällig geschwächt ist oder anderweitig stark leidet, ist eine abwartende Haltung für einige Tage sinnvoll. Bei gehäuft auftretenden Erkrankungen ist eine konstitutionelle Behandlung angezeigt, um die Anfälligkeit zu beheben. Die meisten Kinder genesen schneller, wenn sie die Aufmerksamkeit und Fürsorge ihrer Eltern bekommen können. Man sollte versuchen auf Wünsche wie Vorlesen, Füttern, nicht alleine sein wollen, Trost und Ähnliches liebevoll einzugehen und auch bei klagenden Patienten geduldig bleiben. Bei Unsicherheit sollten Eltern sich immer an ihren Homöopathen wenden können.

 

Quellen für den ganzen Text:

  1. Anamnese und Klinische Untersuchung, 3. Auflage, von Hermann S. Füessl, Martin Middeke, Verlag: MLP (Duale Reihe)
  2. Praxisleitfaden Allgemeinmedizin, 5. Auflage, von Stefan Gesenhues, Rainer Ziesche, Verlag: Elsevier
  3. Unterricht von Frau Schäffler in der SHI Schule für Homöopathie, Jahrgang ´05
  4. Studie: Antipyretic Agents for Preventing Recurrences of Febrile SeizuresRandomized, Controlled Trial. Zu finden auf (am 18.2.14): http://archpedi.jamanetwork.com
  5. Die Wirkung von Fiebersenkung auf das Immunsystem, http:// www.heike-dahl.de (am 18.0.14)
  6. Vortrag von Frau Anita Petek- Dimmer, im Rahmen des Studiums an der SHI Schule für Homöopathie, Jahrgang ´05
  7. Gute Zusammenfassung und Verweise auf Studien: http://news. doccheck.com/de/1759/fieberfinger- weg-vom-thermostat/, (z.B. Gavin Barlow vom Hull and East Yorkshire Hospitals NHS Trust- Der den positiven Effekt von Fieber bei Lungenzündung belegte)

 

Anna Zenz absolvierte die SHI Homöopathie Schule in Zug und erlangte dort das Diplom "Dipl. Homöopath hfnh". Nach der Ausbildung kehrte sie in ihr Heimatland zurück. Sie führt seither eine eigene Praxis in Marburg. Sie verfasste diesen Artikel als Kopiervorlage für interessierte Eltern und Kollegen.